Unterarmschaftfraktur Von einer Unterarmschaftfraktur spricht man, wenn beide Unterarmknochen, also Elle (Ulna) und Speiche (Radius) gebrochen (frakturiert) sind. Als sog. „Parierverletzung“ werden die isolierten Schaftbrüche von Elle oder Speiche angesprochen. Spezielle Verletzungsmuster sind nach Monteggia (Proximale Ulnaschaftfraktur und Luxation des Radiusköpfchens) bzw. Galeazzi (Radiusschaft-fraktur und Luxation der Ulna im distalen Radioulnargelenk) benannt.Welche Ursachen können zu einer Unterarmschaftfraktur führen? Am häufigsten sind direkte Gewalteinwirkungen, für die isolierten Radius- bzw. Ulnaschaftfrakturen typischerweise im Sinne einer „Parierverletzung.“Welches sind die Symptome für einen Unterarmschaftfraktur? Man spricht von sicheren und unsicheren Frakturzeichen. Für einen Bruch der Unterarmknochen sichere Frakturzeichen sind eine Fehlstellung des Unterarmes, eine Krepitation (Reiben) im Frakturbereich sowie ggf. sichtbare Knochenenden (offene Fraktur). Unsichere Zeichen, d.h. nicht beweisend für das Vorliegen eines Knochenbruches, sind Schmerzen und Schwellung bzw. Bluterguss über dem Unterarm und eine (z.B. schmerzbedingte) Funktionseinschränkung.Zur klinischen Untersuchung ist unbedingt zu achten auch auf Sensibilitätsstörungen und Muskelkraftverlust als Hinweis auf eine Mitverletzung von nervalen Strukturen (Nervus medianus, Nervus radialis) sowie auf die Durchblutungssituation (Gefahr der Gefäßverletzung, d.h. es müssen auch die arteriellen Pulse getastet werden können. Besonderes geachtet werden muss außerdem auf das mögliche Auftreten eines Kompartmentsyndroms. Es handelt sich dabei um eine durch mehrere Faktoren bedingte Erhöhung des Gewebedruckes (z.B. Einblutung in die Muskelgruppenräume), die zu einem vorübergehenden oder dauerhaften Funktionsverlust von Muskeln und Nerven bis hin sogar zu einer Gewebezerstörung führen kann und rasches ärztliches Handeln mit operativem Eingriff erforderlich macht.
Welche
apparativ-diagnostischen Verfahren kommen bei einer Unterarmschaftfraktur Es werden Röntgenbilder des Unterarmes mit den angrenzenden Gelenken in zwei Ebenen erstellt. Welches sind die Therapieprinzipien bei einer Unterarmschaftfraktur? Grundsätzlich ist durch eine operative Versorgung mit einer anschließend frühfunktionellen Behandlung die schnellste Wiederherstellung gewährleistet. Die konservative Behandlung des Unterarmbruches mit der notwendigen, länger dauernden Ruhigstellung z.B. im Gipsverband hat besondere Risiken und „Nebenwirkungen“, wie die oft unzureichende Reposition und Retention der Fraktur sowie Bewegungseinschränkungen und Rückbildung der Muskulatur. Die Operations-Standardtechnik besteht nach Wiedereinrichten des Bruch's in der Versorgung der mittels einer Plattenosteosynthese - bei Trümmerbrüchen bzw. erheblichem Weichteilschaden kann auch eine äußere Stabilisierung mit einem sog. „Fixateur externe“ erforderlich machen. Die Durchführung einer prinzipiell möglichen „inneren Schienung“ der Knochen, einer sog. intramedullären Osteosynthese, wird aufgrund der Drehbewegungsbeanspruchung der Unterarmschaftbrüche kaum durchgeführt werden können. Prognose und Komplikation bei der Unterarmschaftfraktur Es werden sich in der Regel gute Behandlungsergebnisse mit allenfalls geringen Funktionseinschränkungen erreichen lassen. Bei sicherem knöchernen Durchbau, d.h. Ausheilung der Frak tur, wird eine Entfernung des Osteosynthesematerials nach etwa 1 ½ bis 2 Jahren durchgeführt. Als eher seltene, aber typische Komplikationen sind anzuführen die Möglichkeit einer „Falschgelenkbildung“ (Pseudarthrose) mit unzureichender knöcherner Brückenbildung sowie eine Einschränkung der Unterarmdrehbeweglichkeit bei Ausbildung einer Knochenbrücke (Brückenkallus) zwischen Elle und Speiche im Heilungsverlauf. In diesen Fällen sind erneute operative Eingriffe mit Reosteosynthese bzw. Abtragen der Kochenbrücke nicht zu umgehen. Eine grundsätzlich zu frühe Entfernung des Osteosynthesematerials birgt das Risiko eines erneuten Knochenbruches (Refraktur) eben an dieser Stelle.
Dr. med. Stephan Hartmann
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