Humerusschaftfraktur
Bei
einer Humerusschaftfraktur ist es möglich, vom
Unfallmechanismus auf die Art der entstandenen Fraktur zu schließen. Eine
direkte Gewalteinwirkung auf den Oberarmknochen wird zu Quer-, Biegungs- oder
Stückfrakturen führen auch zu einem Weichteilschaden - eine indirekte
Krafteinwirkung hingegen zu einem Dreh- oder Spiralbruch.
Welches sind die Symptome bei einer Humerusschaftfraktur?
Es
finden sich typischerweise Bluterguss und Schwellung, Fehlstellung sowie eine
schmerzhafte Einschränkung der Beweglichkeit. Im Fall einer zusätzlichen
Nervenverletzung (Nervus radialis) bei der Humerusschaftfraktur kann es außerdem zu
einer „Fallhand“ kommen, das heißt, es kann die Hand im Handgelenk vom Patienten
nicht mehr (aktiv) gestreckt werden. Der Nervus radialis ist aufgrund seines
Verlaufes teils unmittelbar am Oberarmschaft bei einer Schaftfraktur
entsprechend gefährdet, in 10-20% der Fälle ist er daher mit verletzt. Es kann
sich dabei entweder um ein direktes Trauma mit Zerrung oder (seltener)
Zerreißung des Nerven handeln, aber auch um ein Anspießen des Nerven durch ein
Knochenbruchende. Aufgrund eben dieser anatomischen Gegebenheiten ist auch bei
dem Wiedereinrichten (Reposition) der Humerusschaftfraktur es besondere Vorsicht
geboten. Allerdings kann der Radialisnerv auch im weiteren Heilungsverlauf noch
beeinträchtigt werden, indem er von neugebildetem Knochengewebe (Kallus)
ummauert wird.
Welche apparativ-diagnostischen Maßnahmen kommen bei einer Humerusschaftfraktur zum
Einsatz?
Es
werden Röntgenbilder des Oberarmschaftknochens (mit mindestens einem
angrenzendem Gelenk, d.h. Schulter- oder Ellenbogengelenk) angefertigt.
Wie wird eine
Humerusschaftfraktur behandelt?
Ein
nicht-operatives (konservatives) Vorgehen ist möglich bei einem unkomplizierten
Bruch (Fraktur). Es wird nach Wiedereinrichten (Reposition) der Fraktur unter
Beachtung auch von Rotationsfehlstellungen eine Ruhigstellung im sog.
Desault-Verband für etwa drei Wochen durchgeführt. Im weiteren kann dann für
nochmals drei Wochen z.B. ein Sarmiento-Brace zum Einsatz kommen. Es handelt
sich dabei um eine zirkuläre, individuell angepasste Kunststoffmanschette,
welche über dem Oberarm angelegt wird (mit Klettverschlüssen) und die eine
ausreichende Schienung der Fraktur ermöglicht bei gutem Komfort für den
Patienten. Der Vorteil eines solchen Brace ist dabei insbesondere das
Freibleiben der angrenzenden Gelenke (Schulter- und Ellenbogengelenk). Es
werden entsprechende Röntgenkontrollen bei einer Humerusschaftfraktur durchgeführt,
nach sichtbarer Kallusbildung kann der Brace entfernt werden, dies wird nach
etwa sechs Wochen der Fall sein.
Eine Schädigung des Radialisnerven (s.o.),
offene Knochenbrüche, instabile Brüche sowie eine begleitende Gefäßverletzung
sind Indikationen für eine operative Frakturbehandlung. Als
Osteosyntheseverfahren kommen in Frage ein sog. extramedulläres Vorgehen mit
Einbringen einer Plattenosteosynthese bzw. ein intramedulläres Vorgehen mit
Schienung der Fraktur durch in das Innere des Knochens längsverlaufend
eingebrachte Spezialnägel. In selteneren Fällen kann auch das Einbringen eines
Fixateurs externe erforderlich sein. Es handelt sich dabei um eine
Stabilisierung der Fraktur mit durch die Haut in den Knochen bzw. die
Bruchfragmente eingebrachten „Nägeln“ und deren äußere Verbindung mit Spezial-
„Gestänge“.
Rehabilitative
Nachbehandlung bei einer Humerusschaftfraktur
Zur rehabilitativen Nachbehandlung bei einem konservativen
Vorgehen sei auf die vorangehenden Ausführungen verwiesen. Nach operativer
Versorgung mit einer Plattenosteosynthese sind Bewegungen des Armes in alle
Richtungen erlaubt, lediglich nach einer Verriegelungsnagelung sollte die
Außendrehung nicht forciert werden.
Komplikationen und
Prognose bei einer Humerusschaftfraktur
Als häufigste Komplikation bei operativer Versorgung der
Humerusschaftfraktur ist eine Schädigung des Radialisnerven (Radialisparese)
bekannt. Auch die nach sicherer knöcherner Ausheilung der Fraktur später
gelegentlich vorzunehmende Entfernung des eingebrachten Osteosynthesematerials
ist im Fall einer Plattenosteosynthese mit einem solchen Risiko verbunden. Eine
Pseudarthrose („Falschgelenk“) des Humerusschaftes kann nach einer Osteosynthese
bzw. auch nach konservativer Behandlung auftreten.
Die Prognose der Humerusschaftfraktur es ist bei
korrekt durchgeführter konservativer oder auch operativer Behandlung
gleichermaßen gut.
Ihr Team der Wirbelsäulenklinik Bad Homburg

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